Die Reederei J. F. Braeunlich in Stettin
Die Reederei J. F. Braeunlich war eine der bekannteseten
und bedeutendsten Reedereien im Bereich der Ostsee. Sie wird 1851
in Stettin gegründet.
Das erste Schiff ist ein Radddampfer, mit dem das Stettiner Haff
bis Swinemünde befahren wird. Nach und nach kommen kommen weitere
Fahrtgebiete hinzu: Misdroy, Wollin und Cammin sowie die Bäder auf
Usedom und der Insel Rügen. Ab 1897 beteiligt sich die Reederei
auch am Postdampferverkehr zwischen Sassnitz und Trelleborg in
Schweden. Schon vorher hatte sich Braeunlich ein zweites Standbein
geschaffen: die Reeder erwerben eine Eisbrecherflotte und halten
im Winter im Auftrag der Stettiner Kaufmannschaft den Stettiner
Hafen eisfrei.
In den zwanziger Jahren befährt die Reederei Braeunlich
im politischen sogenannten "Seedienst Ostpreußen" auch
die Linie nach Zoppot und Pillau. Nach dem Krieg wird der Sitz der
Reederei zuerst nach Lübeck und dann nach Hamburg verlegt und schließlich
im Jahre 1995 aufgelöst.
Die Schiffe der Reederei werden zu bekannten und beliebten
Urlaubermotiven. Nahezu jede zweite Aufnahme der Hakenterasse in
Stettin wird von Schiffen der Reederei J. F. Braeunlich geziert.
Gerade legendär werden die jährlich herausgegebenen Dampfschiffsfahrpläne.
Sie geben nicht nur die Abfahrtzeiten zu den Ostseebädern an, sondern
enthalten die Zeiten vieler Anschlusszüge nach Berlin und sind gleicheitig
ein kleiner Reiseführer von Stettin und der Ostseeküste.
Im folgenden zitieren wir aus dem Dampfschiffsfahrplan der Reederei
Braeunlich aus dem Jahre 1913:
"Nach den Ostseebädern
Der Wandertrieb, der von jeher den deutschen Stämmen eigen, packt
uns aufs neue mit verstärkter Kraft, wenn die Natur die Fesseln
des Winterschlafs abgeschüttelt hat und sich anschickt, mit neuer
Pracht alle Lande zu bekleiden; das ist die Zeit, in der es jeden
hinaustreibt aus dem nimmer rastenden Getriebe der Großstädte, aus
dem ewigen Einerlei des Berufes, um Leib und Seele neue Kräfte durch
Verweilen in freier Natur zuzuführen. Ein lockendes Ziel dieser
Flucht in die Natur bilden mit Recht die deutschen Ostseebäder.
Nirgends sonst vereinigen sich die Vorzüge und Schönheiten des Meeres
so harmonisch mit der reizvollen Landschaft prachtvoller Buchen-
und Kiefernwälder, Hügel und grüner Matten wie an der Ostsee, und
schaffen so eine unübertreffliche Sommerfrische für Familien, wie
des weiteren lohnende Besuchspunkte für Touristen. Von den 400 000
Gästen nun, welche allsommerlich den deutschen Ostseebädern zustreben,
bevorzugt die große Mehrzahl den Weg Berlin - Stettin, um von da
mit den Dampfern auf die angenehmste Weise den Gestaden des baltischen
Meeres entgegenzueilen. Gerade die Dampferfahrt an die Ostsee wird
von den meisten Badereisenden und Touristen so bevorzugt, weil sich
auf den großen Promenadendecks der Salondampfer sofort Gelegenheit
bietet, den durch die Großstadt verstaubten Lungen kräftigende,
frische Seeluft zuzuführen, und das Atmen staubfreier Luft ist ja
der Gesundheit Vorbedingung."
Quelle: An die Ostsee via Stettin
Dampfschiffs-Fahrplan und Verkehrshandbuch mit illustrierter Reisebeschreibung
und Verkehrskarte der Ostsee / XII. Jahrgang
Hrsg.: Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft
J.F.Braeunlich G.m.b.H. Stettin
Telegramm-Adresse: "SASSNITZLINIE"
Fernsprecher Nr. 30
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