Szczecin / Stettin
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 aktualisiert 04.02.07

 
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Das Loitzenhaus in Szczecin / Stettin

Als im Jahre 1433 der aus einer Greifswalder Gelehrten- und Pfarrersfamilie stammende Hans I. Loitz nach Stettin zieht, um Fischhändler zu werden, beginnt der kometenhafte Aufstieg der Familiendynastie der Loitz, der 140 Jahre später mit einem spektakulären Firmenzusammenbruch enden, halb Europa erschüttern und viele weitere Patrizierfamilien mit in den Abgrund zerren soll.

Loitzenhaus
Größeres Photo! Loitzenhaus
Das Loitzenhaus

Hans´ Sohn Michael I. Loitz heiratet eine reiche Witwe und bringt es bereits auf ein beträchtliches Vermögen, als er 1484 Ratsherr und Bürgermeister von Stettin wird. Besonders ertragreich ist die Beteiligung von Michael I. Loitz an der Witte in Falsterbo. Eine Witte ist eine Niederlassung der Stadt im Ausland, in der Fisch angelandet, konserviert und gehandelt wird. Wie Stettin so besitzen auch Fischhändler aus Lübeck, Stralsund und Rostock Witten auf Falsterbo, Budenstädte, in denen dänische Frauen die Heringsfänge ausweiden und einsalzen, bevor Stettiner Fischhändler die Heringsfässer auf ihre Schiffe laden und in Stettin mit hübschem Gewinn verkaufen.

Michael I. Loitz stirbt 1494 als einer der reichsten Bürger Stettins. Sein Sohn, Hans II. Loitz, wird ebenfalls Bürgermeister von Stettin. Wichtiger aber noch ist, dass mit ihm die internationale Ausdehnung der Geschäfte der Loitz beginnt. Ein Fischhändler braucht große Mengen an Salz, um den Hering haltbar zu machen. Was liegt da näher, als neben dem Fischhandel auch in das Salzgeschäft einzusteigen? Hans II. Loitz knüpft auf weiten Geschäftsreisen, die ihn bis nach Schweden, Siebenbürgen und Südfrankreich führen, Kontakte zu Händlern in ganz Mitteleuropa. Unter seiner Leitung entwickelt sich die Stettiner Firma mehr und mehr zu einem in vielen Geschäftszweigen tätigen Konzern mit angeschlossenem Bankhaus. Pommersche Herzöge, der Brandenburgische Kurfürst und nicht zuletzt der polnische König sind Schuldner des Loitzschen Bankhauses. Besonders viel Profit wirft offensichtlich die Finanzierung von Kriegen ab.

Die nächste Generation der Loitz setzt ihren systematischen, wirtschaftlichen Eroberungsfeldzug fort. Während Simon Loitz das Kerngeschäft in Stettin leitet, wird der zweite Sohn Michael II. Loitz nach Danzig verheiratet, um das Polengeschäft anzukurbeln. Der dritte Sohn von Hans II. Loitz, Stephan Loitz, versucht, das Lüneburger Salzgeschäft an sich zu reißen. Obwohl es dem gebildeten und herrischen Großkaufmann Stephan gelingt, eine der reichsten Lüneburger Salzwitwen zu heiraten, wehren sich die alteingesessenen Lüneburger Salzhändler gegen den Stettiner Emporkömmling erfolgreich. Stephan muss schließlich nach Stettin zurückkehren.

Nun beginnt die große Offensive der Loitz, die auf ein Salzmonopol in Mitteleuropa gerichtet ist. Der Salzhandel auf der Oder ist komplett in der Hand der Loitz, vor den Danziger Hafen schicken sie ein Kanonenboot, um zu kontrollieren, ob nicht etwa ein anderer Händler Salz nach Polen und Preußen bringen will.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beginnt der plötzliche Niedergang des Hauses Loitz. Es beginnt damit, dass Dänemark den Salztransport durch die Belte in der westlichen Ostsee mit hohen Zöllen belegt. Den Loitz´ entstehen dadurch große Verluste, aber erst eine fehlgeschlagene Transaktion mit dem polnischen König versetzt der Dynastie der Loitz den Todesstoß. Als sich Stephan Batory, der neue polnische König weigert, die Schulden seines Vorgängers bei den Loitz zurückzuzahlen, gerät das Firmenimperium ins Trudeln. Die Bargeldreserven werden immer knapper, viele Kreditgeber des Bankhauses Loitz ziehen ihre Gelder zurück.

Simon Loitz versucht, zu retten, was zu retten ist. In aller Eile werden Güter und Häuser auf Töchter und Witwen übertragen, um sie dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Bei Nacht und Nebel muss die Familie von Simon Loitz schließlich Stettin verlassen und kommt auf einem Gut in Polen unter.

Der letzte Nachkomme der Loitz, Hans III. Loitz, lebt später auf dem vom Bankrott verschonten Gut Rundewiese bei Marienburg als preußischer Junker und nicht mehr als Kaufmann.

Der Ruin der Loitz zieht halb Europa in den Bann. Die "Fugger des Nordens", die vergeblich versuchen, das Salzmonopol in Mitteleuropa an sich zu reißen und bei ihrem Fall viele Gläubiger, Fürsten, Gutsbesitzer und wohlhabende Stettiner mit in den finanziellen Abgrund ziehen.


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 Loitzenhaus - historische Aufnahme
 

Der Reichtum des Handelshauses zeigte sich auch im prächtigen Wohnhaus der Familie. Es wurde 1547 vom Architekten des Herzogsschlosses von Ueckermünde im Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance erbaut

 
 Das Loitzenhaus heute:
  Heute beherbergt das aufwändig wiederaufgebaute Gebäude die Kunsthochschule Szczecins.