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 aktualisiert 04.02.07

 
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Der Hafen von Stettin - Betrachtung aus den 20ern

Hafenverwaltungsgebäude
Bild vergößern! Hauptgebäude

Dem Reisefüherer Stettin aus dem Jahre 1929 ist folgende kleine Betrchtung entnommen:

"Für einen Binnenländer, der nach Stettin kommt, werden immer das Wasser und der Hafen die Hauptanziehungskräfte Stettins sein. Es ist ja selbst für den geborenen Stettiner eine immer neue Überraschung, immerwährende Anregung, in dies Getriebe hineinzusehen, gleichsam den Pulsschlag der Welt und des Lebens unmittelbar pochen zu hören, die alte Unrast des nordischen Küstenbewohners in sich zu spüren, und beim Anblick der großen Überseedampfer jenes selig-unselige Erbteil deutschen Blutes zu empfinden: Wandersehnsucht. Ist es Hochsommer, bieten schon die Oderufer unten am Fuß der Hakenterasse, wo die Ostseebäderdampfer wie eine Schar weißer Möwen auf dem Wasser sitzt, unaufhörlich bunte, neue Bilder für Augen und Kamera, eine Fundgrube von lebendigen und fröhlichen Erinnerungen. Gar nicht zu reden von den Szenen sonntäglicher Extrafahrten - morgens in der frostlichen Dämmerung oder abends, wenn das strahlende, schimmernde Hotel wieder am Bollwerk festlegt.

Dieselben Bilder, ins Große und Ernsthafte übersetzt, bietet der Freihafen. Man gelangt mit Linie 1 bis an seine Tore. Um hineinzukommen, bedarf es besonderer Erlaubnis. (Erkundigungen im Verkehrs-Verein.) Es weht eine andere Luft hier in den großen Bassins, wo der Brückenbogen in aller Herren Länder gespannt wird, als drüben am fröhlicheren Oderufer zur Fahrt in die Sommerfrische. Wie hungrige Raubtiere scheinen die Schiffe mit ihren geöffneten Ladeluken, in deren Rachen die kreischenden, knarrenden Winden und Kräne unaufhörlich Fracht und Ladung senken oder dort bei einem anderen herausholen. Ein- und Ausfuhrartikel des Stettiner Handels wechseln hier unaufhörlich, und in den langen Kaischuppen liegen die Reichtümer des Erdballs. Zur Ausfuhr gelangen besonders: Zucker, Getreide, Kohle, Nutzholz, Düngemittel, Zement, Maschinen, Futtermittel usw. Die Haupteinfuhrartikel sind: Er, Holz, Heringe, Pflastersteine, Schwefel, Phosphate, Papierholz, Butter, Eisen, usw. Hier sind auch die Dampferabfahrtstellen der Stettiner Reedereien nach den Ostsee-Randstaaten, nach Schweden, Finnland, Rußland usw. Und ich möchte beinah glauben, daß man mit freundlicher Bitte als Landratte wohl die Erlaubnis bekäme, sich eins der eleganten, schönen, neuen Schiffe sich anzusehen, um schon bei einem kurzen Rundgang jenes ganz geheimnisvolle Locken einmal zu verspüren, das von den Planken eines schwimmenden Hauses so unwiderstehlich ausgeht.

Am lehrreichsten und ratsamsten ist es, einmal eine Hafenrundfahrt zu machen, die einen zusammenhängenden Einblick in alle verschiedenen Hafenbetriebe Stettins gewährt. Sie dauert ca. 2 Stunden und beginnt an der Baumbrücke. Die Abgangszeiten der Dampfer erfährt man im Stettiner Verkehrs-Verein. Hier gibt es auch für alle diejenigen, die sich für Fachangaben interessieren, einen kleinen Sonderführer mit Karte, Zahlenangaben und statistischem Material."

aus: Stettin
Stettin 1929
Seite 21ff


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