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   aktualisiert 14.01.07
 
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Einführung des Christentums, Bildung der Hoffer Gemeinde und alte Kirche

Pastor Kummroh aus Hoff an der Ostsee erinnert sich im Jahre 1914

 

Die Kirchengemeinde Hoff, aus deren Geschichte uns die nachfolgenden Blätter erzählen wollen, liegt hoch oben im Norden unseres deutschen Vaterlandes auf steilem Ufer am Ostseestrande. Etwa drei Meilen östlich vom alten, berühmten Bischoffssitz Cammin liegt das Kirch- und Pfarrdorf Hoff ungefähr in der Mitte der 17 bis 18 km am Meeresgestade sich hinstreckenden Gemeinde mit ihren zehn Dörfern oder, geographisch genauer bestimmt, dort, wo der zu europäischer Berühmtheit gelangte Stargarder Meridian den festen Boden des Pommernlandes in der Richtung nach Norden verläßt und sich mit kühnem Sprung in das weite Meer wirft, um erst auf Bornholm und dann in Schweden wieder festen Fuß zu fassen.

Seit dem Jahre 1880 besitzt die Hoffer Kirchengemeinde in ihrem Pfarrdorf Hoff zwei Kirchen, die eine neu erbaut weit ab vom Strande, am Ostende des herrschaftlichen alten Parks; die andere - ein Opfer des Kampfes mit der Ostsee - einst mitten im Dorf gelegen wie die Henne, um die sich de Küchlein scharen. Schon seit langem streckt das Meer seine nassen Arme nach ihr aus, um sie, die Meeresbraut - wie sie oft poetisch genannt ist -, zu entführen. Sie wird dem verführerischen Drängen nicht lange mehr trotzen; noch wenige Jahrzehnte und auch der letzte Rest dieses ehrwürdigen, zur Ruine gewordenen Denkmals aus der ersten christlichen Zeit Pommerns wird verschwunden sein, und ein Kranz von immergrünen Sagen wird ihr Grab schmücken.

Bis um das erste Viertel des 12. Jahrhunderts war Pommern, zu deutsch "das Land am Meer", ein heidnisches Land, und die Ostsee wurde wegen der heidnischen Völker, deren Ufer sie bespülte, das Heidenmeer genannt. Von heiligem Eifer getrieben, den wilden Pommern das Evangelium zu bringen, machte sich der Mönch Bernhard aus Italien auf und begab sich direkt nach dem wegen seiner Wildheit besonders berüchtigtem Wollin. Barfuß und im Bettlergewand kam er. Aber das stieß die Pommern zurück. Sie meinten, wenn er ein Bote des höchsten Gottes sei, dann würde ihn dieser nicht so armselig aussenden. Darum möge er, wenn ihm sein Leben lieb sei, schleunigst das Land verlassen. Voll Begeisterung rief er aus: "Wenn ihr meinen Worten nicht glaubt, so glaubt doch meinen Taten; zündet ein Haus an und werft mich hinein; wenn ich unversehrt aus dem Feuer komme, so wisset, daß ich ein Bote des Gottes bin, dem auch die Elemente dienen müssen." Aber das hielten die mißtrauischen Wolliner für eine ganz gefährliche Hinterlist, durch die er ihnen die leicht aus Holz und Rohr gebaute Stadt über dem Kopf anzünden wolle. Sie beschlossen daher, ihn mit Gewalt auf ein Schiff zu bringen und so aus dem Lande zu entfernen. Darüber empört, ergriff Bernhard eine Axt, um das höchste Heiligtum der Wolliner, die dem Donnergott Perun zu Ehren errichtete Säule, niederzuhauen. Aber der wütende Haufe schlug ihn zu Boden. Voll Tränen über die Erfolglosigkeit seiner Reise mußte er Pommern verlassen.

Das war der erste Missionsversuch in Pommern. Aber er war doch nicht erfolglos geblieben. Auf seiner Rückreise kam Bernhard nach Bamberg und erzählte dort von seinen Erfahrungen in Pommern. Wie das Eisen vom Feuer durchglüht wird, erzählt der Chronist aus jener Zeit, so wurde das Herz des Bischofs Otto v. Bamberg – eines Grafen Otto v. Mistelbach Sohn – von der Rede Bernhards ergriffen, und er beschloß, selbst nach Pommern zu reisen und Bernhards Werk fortzusetzen. Als mächtiger Kriegsmann, von vielen Reitern begleitet, und als glänzender Kirchenfürst, Kisten und Kasten mit Vorräten und Geschenken für die Pommern gefüllt – so kam er im Jahre 1124.

Pyritz war die erste Stadt, die er etwa Mitte Juni besuchte. Gewaltiger Lärm drang ihm aus der Stadt entgegen. Man feierte das Fest des Frühlingsgottes Jarovit in ausgelassener Freude und Trunkenheit. Erst am nächsten Morgen wagte er daher die Stadt zu betreten. Aber dieselben, die tags zuvor so begeistert dem Heidengott gehuldigt hatten, waren schnell bereit, sich taufen zu lassen. Nach siebentägigem, unermüdlichen Unterricht Ottos und seiner Begleiter und dreitägigem Fasten der zu taufenden Heiden stellten sich diese, mit weißen Kleidern angetan und Wachskerzen in den Händen, zur Taufe ein. Ein Brunnen bei Pyritz wird noch heute als der Ort gezeigt, wo die ersten Pommern getauft sind.

Am 22. Oder 23. Juni 1124 brach Otto nach Cammin (zu deutsch "Steinburg") auf. Hier war ihm durch die Herzogin Haila schon der Boden geebnet. Als er am Johannistage 1124 ankam, war schon das ganze Volk zur Taufe bereit. Fast sechs Wochen wurde hier ununterbrochen unterrichtet, gepredigt und getauft. Täglich strömte das Volk haufenweise in die Stadt, um die Taufe zu empfangen. Oft sank Otto vor Ermattung nieder. Wenn man bedenkt, daß in dieser Zeit 4000 Heiden aus Cammin und Umgebung getauft wurden, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß darunter auch eine ganze Anzahl aus unserer Hoffer Gemeinde waren. Sie ist eine der ältesten in der Camminer Gegend; die benachbarte Groß-Justiner Gemeinde gehörten ursprünglich dazu.

 

 
 
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