Einführung des Christentums, Bildung der Hoffer Gemeinde
und alte Kirche
Pastor Kummroh aus Hoff an der Ostsee erinnert sich
im Jahre 1914
Die Kirchengemeinde Hoff, aus deren Geschichte uns
die nachfolgenden Blätter erzählen wollen, liegt hoch oben im Norden
unseres deutschen Vaterlandes auf steilem Ufer am Ostseestrande.
Etwa drei Meilen östlich vom alten, berühmten Bischoffssitz Cammin
liegt das Kirch- und Pfarrdorf Hoff ungefähr in der Mitte der 17
bis 18 km am Meeresgestade sich hinstreckenden Gemeinde mit ihren
zehn Dörfern oder, geographisch genauer bestimmt, dort, wo der zu
europäischer Berühmtheit gelangte Stargarder Meridian den festen
Boden des Pommernlandes in der Richtung nach Norden verläßt und
sich mit kühnem Sprung in das weite Meer wirft, um erst auf Bornholm
und dann in Schweden wieder festen Fuß zu fassen.
Seit dem Jahre 1880 besitzt die Hoffer Kirchengemeinde
in ihrem Pfarrdorf Hoff zwei Kirchen, die eine neu erbaut weit ab
vom Strande, am Ostende des herrschaftlichen alten Parks; die andere
- ein Opfer des Kampfes mit der Ostsee - einst mitten im Dorf gelegen
wie die Henne, um die sich de Küchlein scharen. Schon seit langem
streckt das Meer seine nassen Arme nach ihr aus, um sie, die Meeresbraut
- wie sie oft poetisch genannt ist -, zu entführen. Sie wird dem
verführerischen Drängen nicht lange mehr trotzen; noch wenige Jahrzehnte
und auch der letzte Rest dieses ehrwürdigen, zur Ruine gewordenen
Denkmals aus der ersten christlichen Zeit Pommerns wird verschwunden
sein, und ein Kranz von immergrünen Sagen wird ihr Grab schmücken.
Bis um das erste Viertel des 12. Jahrhunderts war Pommern,
zu deutsch "das Land am Meer", ein heidnisches Land, und die Ostsee
wurde wegen der heidnischen Völker, deren Ufer sie bespülte, das
Heidenmeer genannt. Von heiligem Eifer getrieben, den wilden Pommern
das Evangelium zu bringen, machte sich der Mönch Bernhard aus Italien
auf und begab sich direkt nach dem wegen seiner Wildheit besonders
berüchtigtem Wollin. Barfuß und im Bettlergewand kam er. Aber das
stieß die Pommern zurück. Sie meinten, wenn er ein Bote des höchsten
Gottes sei, dann würde ihn dieser nicht so armselig aussenden. Darum
möge er, wenn ihm sein Leben lieb sei, schleunigst das Land verlassen.
Voll Begeisterung rief er aus: "Wenn ihr meinen Worten nicht glaubt,
so glaubt doch meinen Taten; zündet ein Haus an und werft mich hinein;
wenn ich unversehrt aus dem Feuer komme, so wisset, daß ich ein
Bote des Gottes bin, dem auch die Elemente dienen müssen." Aber
das hielten die mißtrauischen Wolliner für eine ganz gefährliche
Hinterlist, durch die er ihnen die leicht aus Holz und Rohr gebaute
Stadt über dem Kopf anzünden wolle. Sie beschlossen daher, ihn mit
Gewalt auf ein Schiff zu bringen und so aus dem Lande zu entfernen.
Darüber empört, ergriff Bernhard eine Axt, um das höchste Heiligtum
der Wolliner, die dem Donnergott Perun zu Ehren errichtete Säule,
niederzuhauen. Aber der wütende Haufe schlug ihn zu Boden. Voll
Tränen über die Erfolglosigkeit seiner Reise mußte er Pommern verlassen.
Das war der erste Missionsversuch in Pommern. Aber
er war doch nicht erfolglos geblieben. Auf seiner Rückreise kam
Bernhard nach Bamberg und erzählte dort von seinen Erfahrungen in
Pommern. Wie das Eisen vom Feuer durchglüht wird, erzählt der Chronist
aus jener Zeit, so wurde das Herz des Bischofs Otto v. Bamberg –
eines Grafen Otto v. Mistelbach Sohn – von der Rede Bernhards ergriffen,
und er beschloß, selbst nach Pommern zu reisen und Bernhards Werk
fortzusetzen. Als mächtiger Kriegsmann, von vielen Reitern begleitet,
und als glänzender Kirchenfürst, Kisten und Kasten mit Vorräten
und Geschenken für die Pommern gefüllt – so kam er im Jahre 1124.
Pyritz war die erste Stadt, die er etwa Mitte Juni
besuchte. Gewaltiger Lärm drang ihm aus der Stadt entgegen. Man
feierte das Fest des Frühlingsgottes Jarovit in ausgelassener Freude
und Trunkenheit. Erst am nächsten Morgen wagte er daher die Stadt
zu betreten. Aber dieselben, die tags zuvor so begeistert dem Heidengott
gehuldigt hatten, waren schnell bereit, sich taufen zu lassen. Nach
siebentägigem, unermüdlichen Unterricht Ottos und seiner Begleiter
und dreitägigem Fasten der zu taufenden Heiden stellten sich diese,
mit weißen Kleidern angetan und Wachskerzen in den Händen, zur Taufe
ein. Ein Brunnen bei Pyritz wird noch heute als der Ort gezeigt,
wo die ersten Pommern getauft sind.
Am 22. Oder 23. Juni 1124 brach Otto nach Cammin (zu
deutsch "Steinburg") auf. Hier war ihm durch die Herzogin Haila
schon der Boden geebnet. Als er am Johannistage 1124 ankam, war
schon das ganze Volk zur Taufe bereit. Fast sechs Wochen wurde hier
ununterbrochen unterrichtet, gepredigt und getauft. Täglich strömte
das Volk haufenweise in die Stadt, um die Taufe zu empfangen. Oft
sank Otto vor Ermattung nieder. Wenn man bedenkt, daß in dieser
Zeit 4000 Heiden aus Cammin und Umgebung getauft wurden, so ist
mit Sicherheit anzunehmen, daß darunter auch eine ganze Anzahl aus
unserer Hoffer Gemeinde waren. Sie ist eine der ältesten in der
Camminer Gegend; die benachbarte Groß-Justiner Gemeinde gehörten
ursprünglich dazu.
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