Aus der Geschichte der Kirche von Hoff
von Hans-Dieter Wallschläger
Die beiden im äußersten Nordosten des Kreises Cammin
gelegenen Orte Baldebus und Poberow gehören dem Kirchspiel Hoff
an. Die weiteren dazugehörigen Dörfer Horst, Rewahl, Schleffin,
Ninikow und Pustchow sind allesamt im Kreis Greifenberg gelegen.
Diese Trennung von kirchlicher und staatlicher Zuordnung, der für
viele Orte entlang der Kreisgrenze zutrifft, ist ein Ergebnis der
preußischen Kreisreform von 1818.
Alle genannten Orte sind nicht nur weit über Pommern hinaus bekannte
Ostseebäder, sondern besonders die am Steilufer der Ostsee stehende
Ruine der "alten" Kirche in Hoff ist und war ein Anziehungspunkt
für Einheimische, Reisende und Künstler. Wann genau diese Kirche
errichtet wurde, ist heute nicht mehr feststellbar, da die Einflüsse
von Wind und Wetter über Jahrhunderte hinweg häufige Reparaturen
und Umbauten zur Folge hatten. Die Geschichte der Kirchgemeinde
geht bis etwa 1300 zurück und wurde stark durch das Camminer Domkapitel
beeinflusst. Dieses war auch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts
neben der Gutsherrschaft einer der Patrone. Nach der Reformation
bildete sich hier bereits um 1525 eine der ersten lutherischen Gemeinden
in Pommern. Zur etwa gleichen Zeit errichtete Ewald von Kleist in
Poberow eine Kapelle, die bis 1750 gegen Entrichtung von 9 Gulden
vom Pastor in Hoff bedient wurde.
Der am längsten in Hoff tätige Pastor war Johannes
Kummrow, der im August 1889 das Ordinat verliehen bekam und 48 Jahre
die Pfarre verwaltete. Neben seinen großen Verdiensten für die Missionstätigkeit
in der Synode Cammin hat er mit der 1924 erschienenen Chronik "Vergilbte
Blätter" seiner Gemeinde ein bleibendes Denkmal gesetzt. Hier
dokumentiert er ausführlich das Schicksal der Kirche. Die Spitze
des 1650 errichteten Holzturm zerstörte 1760 ein Blitzschlag und
1818 musste er ganz abgerissen werden. Aber bereits zuvor näherte
sich die See von Jahr zu Jahr dem Gotteshaus. So ordneten Domkapitel
und Landrat 1771 an, den Kirchhof strandwärts um die Hälfte abzubrechen
und weitere Bestattungen an einem neuen Platz vorzunehmen. Dies
geschah aber erst 40 Jahre später.
Doch Kummrow berichtet weiter, dass "das Meer nicht nur den
Toten keine Ruhe im Grabe gönnte und die aus dem bröckelnden Ufer
herabgefallenen Gebeine im nassen Wogengrab ruhelos hin und her
warf", sondern den Lebenden auch den ungestörten Besitz des
Gotteshauses streitig machte. 1772 tauchten erste Sicherheitsbedenken
auf und Pastor Bahnemann und die Gemeindevorsteher richteten ein
Schreiben an Friedrich den Großen. Sie berichten darin, dass die
Kirche nicht mehr zehn Schritte vom Ufer entfernt sei und sie "also
gezwungen werden, solche in Kurtzem abbrechen und an einem anderen
Orte wieder aufbauen zu lassen, ob es gleich eins von den ältesten
und besten Gebäuden in Pommern ist." Ihre Bitte um eine landesweite
Kollekte lehnte der König jedoch ab.
Es vergingen noch 102 Jahre bis die Kirche ihr Schicksal ereilte.
Große Stürme in den Jahren 1843, 1853 und 1855 führten dazu, dass
der Abstand zwischen dem Abgrund des über 20 Meter hohen Steilufers
und der Kirche nur noch wenige Fuß betrug. Der im folgenden Jahr
herbeigerufene Oberregierungsrat Heegewaldt konstatierte eine Summe
von 22000 Taler für einen steinernen Schutzwall und befahl dem Greifenberger
Landrat, die Kirche im kommenden Jahr zu schließen. Der ortsansässige
Rittergutsbesitzer begann jedoch entgegen der behördlichen Meinung
mit der Anlegung eines Faschinenwerkes, das die Kirche sichern sollte.
Lange Streitereien zwischen der Gutsherrschaft, dem Gemeindevorstand
und dem Pfarrer führten zu keinem Ergebnis und erst im August 1874
hielt Pastor Mielke den letzten Gottesdienst. Der Dachstuhl wurde
abgenommen, das Mauerwerk versteigert.
Die Kirchenausstattung gelangte in das Camminer Dommuseum (noch
heute können wir dort ein prachtvolles spätmittelalterliches Triptychon
bewundern) und einige Stücke in das Kunstgewerbe-Museum Berlin.
1900 ereignete sich der erste Absturz an der Nordwestecke, 1901
folgte die gesamte Nordwand. Doch das oft beschriene Ende der Hoffer
Kirche ist bis zum heutigen Tage nicht gekommen. Noch im Spätsommer
1999 reckten sich stolz 3 Bögen der Südseite stolz gen Himmel und
im Gegensatz zum Frühjahr des Vorjahres waren auch am Strand unterhalb
der Kirche keine Backsteine zu finden. Ich will nicht verhehlen,
dass ich damals ein kleines Stück der heimatlichen Kirche zur Erinnerung
mit nach Berlin nahm. So hat die Ruine der "alten" Kirche
nicht nur ein neues Jahrhundert, sondern inzwischen sogar ein neues
Jahrtausend begrüßt.
Doch nun zur zweiten, der "neuen" Kirche von Hoff. Schon
1880 konnte sie hinter dem Park des Gutshauses geweiht werden. Doch
sie traf bereits nach wenigen Jahrzehnten ein Schicksalsschlag.
Als im März Hoff für viele Flüchtlinge und Soldaten zur letzten
Bastion vor dem rettenden Durchbruch zur Dievenow wurde, zerstörten
Artilleriegeschosse auch dieses Kirchengebäude. Bis vor zwei Jahren
konnte der Besucher nun zwei Kirchenruinen in Hoff vorfinden. Die
Zeit bleibt jedoch nicht stehen; die "alte" Kirche wehrt
sich gegen ihren endgültigen Zerfall und die neue wird nun wieder
aufgebaut. So wird es in Hoff bald keine Kirchenruinen mir geben,
oder sollte ich mich, wie viele meiner Vorgänger auch, getäuscht
haben.....
aus: "Camminer Heimatgrüße", Nummer 424 (Februar
2000)
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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