|
Lyonel Feininger und die Ruine von Hoff / Trzesać
Der Maler Lyonel Feininger besucht zwischen 1891 und
1936 regelmäßig die Ostsee. Häufig verbringt er den ganzen Sommer
an der Küste. 1928 wandert er von seinem Wohnort Deep / Mrzyzeno
zur Ruine nach Hoff / Trzesac. In einem Brief an seine Frau Julia
schreibt er:
"Die Küste ist hoch und steil, wunderbar weit
in den Linien, aber lange Strecken schmelzen dahin, denn die Regenfälle
haben Erdrutsche verursacht. Weit entfernt - am höchsten und steilsten
Punkt stand etwas Rätselhaftes, ein dicker Kubus, welcher eine Festung
gewesen sein mochte, aber tatsächlich war er etwas ganz anderes.
Da oben am Rande des Abgrundes und ohne Zweifel dem Untergang geweiht,
stand die Ruine einer Kirche. Ich war sehr irritiert. Meinen Zeiss
Feldstecher benutzend, studierte ich die Sache, machte ich Skizzen,
und Visionen von Bildern entstanden in meinem Geist. Allmählich,
so wie wir uns näherten, enthüllten Öffnungen Stützpfeiler, und
schließlich kam eine Reihe wunderbar gestalteter, bogenförmiger
Fensteröffnungen im gotischen Stil ins Blickfeld. Es erschien alles
ganz großartig und voller Zauber. Als ich näher kam und schließlich
ganz dicht dran war, sah ich, daß in der nüchternen Wirklichkeit
die Mauern kaum 24 Fuß hoch waren - aber das konnte mich nicht entzaubern.
Für mich erschienen sie monumental wie in einer großen Kathedrale."
( zitiert nach Lyonel Feininger, Städte und Küsten, Marburg 1992,
Seite 38f).
Feininger setzt seine Visionen zwischen 1928 und 1953
in etwa 30 Zeichnungen, Aqarellen und Gemälden um.
zurück zu Seite Ruine am
Kliff
|