Weg durch die Dünen
von Günther Eich
Weg durch die Dünen
Der Herbstwind hauset schon am Strande
ich spür ihn durch die Dünen wehn
Ich will die Spuren schaun im Sande,
die bald vergehn,
den
Schritt der Vögel, der im Leeren
so plötzlich endet wie beginnt,
- er wird so oft noch wiederkehren
als Tage sind.
Schon oft auch habe ich vernommen,
was mir der Ton der Wolken schien,
der eilenden, die aus den Meeren kommen
und in die Meere ziehn.
Ich denke auch der Vögelzüge,
der flüchtigsten, der reinsten Spur
Es weiß um ihre schönen Flüge
der Himmel nur.
Ein Grüßen folget ihrer Reise,
die Halme scharren übern Sand,
der Hafer zeichnet halbe Kreise
wie eine Hand
Ich will in solchen Schriften lesen.
Was schrieb das Gras, was schrieb das Meer?
Sie schreiben Zeiten, die gewesen,
mit fremden Zeichen her.
Kann man in denen Ruhe finden?
Der Abend lauert hintern Strauch.
Die Spuren, die im Gras verschwinden,
sind meine auch.
Sie gehn ins Gestern wie ins Heute.
Die Vogelschrift im Sand verrinnt.
Ich möchte, daß sie nichts bedeute
als Flug und Wind
Ich fühle eine fremde Nähe
und eine Last von vieler Zeit,
als ob ich sie mit Augen sähe,
die tödliche Unendlichkeit. aus:
Günther Eich
Abgelegene Gehöfte
Frankfurt a.M. 1948 S. 92f
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