Joachim Nettelbeck - Seefahrer, Sklavenhändler, Bierbrauer
und Patriot
Joachim Nettelbecks in vielfachen Auflagen erscheinende Autobiographie
beginnt mit den Sätzen:
"Am 20. September 1738 ward ich zu Kolberg geboren und bekam
den Taufnamen Joachim. Sobald ich habe lallen können, stand mein
Sinn darauf, ein Schiffer zu werden. Aus jedem Holzspan, aus jedem
Stückchen Baumrinde, das mir in die Hand fiel, schnitzte ich kleine
Schiffchen, rüstete sie mit Segeln von Federn oder Papier aus und
ließ sie in Rinnsteinen, auf Teichen oder gar auf der Persante schwimmen."
Er brennt als Elfjähriger bei der ersten Gelegenheit durch und
fährt zur See, wird bald erfahrener Seemann und preußischer
Schiffskapitän - für Hinterpommern fast ein Weltmann. Er ist auf
Sklavenschiffen in Afrika und Amerika unterwegs, aber auch als Kapitän
mit dem eigenen Schiff innerhalb Europas und sogar als Fischer auf
dem Stettiner Haff, bevor er sich wieder in Kolberg niederlässt
und wie sein Vater Brauer und Branntweinbrenner wird.
Anfang des 19. Jahrhunderts ist Nettelbeck zwar wegen seiner Rechthaberei
und Arroganz nicht sehr beliebt aber als Mitglied der Stadtältesten
von Kolberg ein geachteter Mann. Da stehen Anfang 1807 plötzlich
die Truppen Napoleons vor den Toren Kolbergs. Nettelbeck, damals
schon fast ein alter Mann, gerät in Widerspruch zum Kommandeur der
Verteidungstruppen Lucadou. In Eingaben an den König betreibt er
die Ablösung Lucadous. Der Oberkommandierende Kolbergs, Major Gneisenau,
bindet Nettelbeck in die Verteidigung der Festung ein und macht
ihn zum Chef des Feuerlösch- und Überschwemmungswesens. Anfang Juli
befindet sich die Festung Kolberg kurz vor dem Fall, als der Frieden
von Tilsit geschlossen wird und damit auch die Kriegshandlungen
an der Festung Kolberg beendet sind.
Die Memoiren Nettelbecks, die 1823 erscheinen, finden in ganz Deutschland
eine begeisterte Leserschaft. Nettelbecks Erfolgsautobiographie
wird vielfach nachgedruckt und auch heute noch gelesen. In Preußen
wurde Nettelbeck gefeiert als Vorbild eines opferfreudigen und Gemeinsinn-orientierten
Bürgers. Im Nazi-Deutschland wird Nettelbeck durch den Film Kolberg
vollends zum Mythos.
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