Kolberger Geld
Im Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland einen empfindlichen Mangel an Schwermetallen aller Art. Da bei der Herstellung von Waffen große Mengen Metall notwendig war, begann man kurzerhand, die aus Kupfer und Nickel bestehenden Scheidemünzen zu fünf und zehn Pfennigen einzuziehen, einzuschmelzen und aus dem so erzeugten Metall Waffen zu bauen.
Die Folge war ein großer Mangel an Kleingeldmünzen, der das wirtschaftliche Leben im Kriegsdeutschland erlahmen ließ. Bald setzten sich Städte und Kommunen in ganz Deutschland über das staatliche Ausgabemonopol von Geld hinweg und brachten in eigener Regie Kleingeldscheine heraus, um den Geld- und Wirtschaftsverkehr aufrecht zu erhalten.
Auch in Kolberg wurden im Jahre 1917 zwei Kleingeld- serien herausgebracht. Links im Bild sehen Sie die zweite Kleingeldserie des Jahres 1917 mit den Werten "10Pf.", "25 Pf." und "50 Pf.". Zur Ausgabe gelangte diese Serie jedoch erst 1920, wahrscheinlich deshalb, weil die erste Kolberger Kleingeldserie aufgebraucht war. Die Auflage der zweiten Kolberger Kleingeldserie von 1917 beläuft sich auf vermutlich 150.000 Stück bei dem 10-Pfennig-Schein, 40 bis 50.000 Stück beim 25-Pfennig-Schein und 75.000 Stück bei dem 50-Pfennig-Schein. Scheine dieser Serie lassen sich übriegns relativ leicht und günstig bei ebay ersteigern. Fast alle Scheine dieser Serie sind jedoch tatsächlich in Benutzung gewesen, das heißt, sie sind teilweise recht stark verschlissen.
Ganz anders verhält es sich bei der zweiten hier abgebildeten Serie aus dem Jahre 1921. Die Scheine, die in dieser Periode heraus- gegeben wurden, hatten keinen Notgeldcharakter mehr, das heißt, sie waren praktisch nie in Umlauf. Stattdessen waren sie eine Art Werbeträger für Kolberg. Nun sind die Scheine ansehnlicher gestaltet und heben die touristischen Vorteile des See-, Sole- und Moorbades Kolberg hervor.
Der "25-Pfennig-Schein" der hier abgebildeten Serie zeigt das Kolberger Familienbad mit einer Gruppe Badender. Der "50-Pfennig-Schein" hat den Titel "Hafeneinfahrt" und der größte Schein bildet ein Gradierwerk ab, um für Kolberg als "Heilbad für Nervenkranke, Skrufulöse und Rheumatiker" zu werben. Alle drei Scheine dieser Serie hatten eine Auflage von je 100.000 Stück.
Um die Vorder- und Rückseiten der Kolberger Notgeldscheine zu betrachten, klicken Sie bitte auf die Abbildungen.
Literaturhinweis:
Karl-Christian Boehnke: Die Notgeldscheine aus Kolberg und Körlin - Zeugnisse aus der deutschen Geschichte zweier Städte in Pommern, Verlag Peter Jancke, Hamburg 2005
ISBN 3-927996-34-3
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