Kolberg / Kolobrzeg
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 aktualisiert 14.01.07

 
Sie sind hier: Home - Kolberg - Geschichte - Durchhaltefilm "Kolberg"
Kolberg  / Kolobrzeg

Der Nazi-Durchhaltefilm "Kolberg" von 1943/44

Deutschland im Jahre 1943. Die Hitlerarmeen stehen am Wendepunkt. Die Schlachten bei Stalingrad und Tunis sind verloren, der U-Boot-Krieg im Nordatlantik wird nach schweren Verlusten und großen Misserfolgen abgebrochen. Dem Luftkrieg über Deutschland fallen viele Zehntausend Menschen zum Opfer.

Heinrich George als "Nettelbeck" in einer Drehpause in Kolberg

In dieser Situation befiehlt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, einen UFA-Großfilm Kolberg herzustellen. Am Beispiel der Verteidigung Kolbergs gegen die Franzosen 1807 soll gezeigt werden, "...dass ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet".

Veit Harlan, Star-Regisseur des Dritten Reichs und mit Filmen wie "Jud Süß" und "Der große König" ausgewiesener NS-Propagandafilmer und antisemitischer Hetzer, erhält von Goebbels den Auftrag. Harlan inszeniert den monumentalen Farbfilm, die Oberregie aber führt Goebbels. Mehrfach wird das Drehbuch auf Goebbels Intervention umgeschrieben.

"Kolberg" wird in den UFA-Studios in Potsdam Babelsberg gedreht. Die Außenaufnahmen fanden am Originalschauplatz Kolberg sowie in Königsberg und Berlin statt. Es wird ein Starensemble engagiert. Unter anderem stehen Heinrich George als Nettelbeck, Horst Kaspar als Gneisenau, Kristina Söderbaum als Anna, Irene von Meyendorff als Königin Luise und weitere bekannte Darsteller der damaligen Zeit auf der Besetzungsliste.

Die Uraufführung des Films findet am 30. Januar 1945 statt, gleichzeitig in der belagerten Atlantikfestung La Rochelle sowie in Berlin. An diesem 12. Jahrestag der Machtergreifung soll noch einmal an den Durchhaltewillen der Deutschen appelliert werden. Aber am 30. Januar steht die Rote Armee bereits 60 Kilometer vor Berlin. Bis Kriegsende im Mai kommt der Film nur noch in wenige Kinos.

Nach dem Krieg bleibt der Film lange unter Verschluss. In seiner Originalfassung wird der Film erst im März 1998 wieder bei Arte im Rahmen eines Themenabends "Heinrich George" gezeigt.


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 Der Film "Kolberg" in Zahlen
 

"Kolberg" wird mit einem Etat von mehr als 8 Millionen Reichsmark zum teuersten Film der Nazizeit. Es wirken mehr als 10 000 Soldaten als Komparsen und die Creme der Filmschauspieler des Dritten Reichs mit.. Mehr als 6000 Pferde und 250 bespannte Fahrzeuge werden eingesetzt.

Harlans Kommentar dazu nach 1945: "Ich hatte Macht über Generale.; wenn sie nein sagten, wurde ja gesagt ...". Für eine Szene wird ihm gar die originale deutsche Kaiserkrone mit Zepter und Reichsapfel zur Verfügung gestellt, streng bewacht von einem Heer von Polizisten.

Ende 1944, nach zehn Monaten Drehzeit, liegt eine Rohfassung vor, die für 90 statt für 2 Stunden Film reicht. Viele Gräuelszenen konfisziert Goebbels, weil sie seiner Meinung nach auf das vom Luftkrieg zermürbte deutsche Volk defätistisch wirken. Harlan schreibt nach 1945: "Für 2 Millionen RM Grauen ... wurden herausgeschnitten."

 
 Website zum Film "Kolberg"
 

Umfangreiches Material zum Film "Kolberg" hat Jens Peter Kutz zusammengetragen. Neben dem Inhalt des Films findet man die Biographien der wichtigsten Protagonisten, kurze Filmsequenzen und Ausschnitte aus der Filmmusik.
Der Film "Kolberg"

 
 Vorlage zum Film "Kolberg"
 

Das Drehbuch des "Kolberg-Films" basiert auf der Autobiographie Joachim Nettelbecks. Siehe:

Joachim Nettelbeck - Seefahrer, Sklavenhändler und Bierbrauer

 
 Literaturtipp:
 

Mit dem Film "Kolberg" beschäftigt sich ein Kapitel des Bandes von Jürgen Eitner:

Hans-Jürgen Eitner
Kolberg
Ein preußischer Mythos 1807/1945
Berlin (Quintessenz-Verlag) 1999