Berühmte Kolberger
Die Familie Schlief (später: Schlieffen) erreicht in Kolberg
einen kometenhaften Aufstieg. Erstmals erwähnt wird 1321 ein Petrus
Sleyvos. Bereits sein Sohn Henning taucht 1376 in der Liste der
Pfannstättenbesitzer auf. Der Wohlstand der Familie Schlief, die
in den Dokumenten jener Zeit unter anderem auch Sleef, Sleff, Slyf
und Slywe geschrieben werden, beginnt mit Hans Schlief, Sohn von
Henning. Zwischen 1386 und 1431 erwarb er zehn Pfannstätten und
wurde damit zum mächtigsten Salzbürger der Stadt. Der Schlieffen-Clan
besaß auch eine große Anzahl von Häusern und Grundstücken sowie
Bauernhöfe und Gaststätten. Hans´ Sohn Johann II Schlieffen wird
1435 Bürgermeister von Kolberg. Insgesamt 26 Mitglieder der Familie
waren Ratsmitglieder. Der Name Schlieffen war schließlich in ganz
Europa bekannt.
Ein bemerkenswerter Nachfahre der Kolberger Schlieffen war Antonius
Schlieffen. Er studierte in Königsberg und wurde danach Offizier,
kam aber schon bald in polnische Gefangenschaft. Schließlich konnte
er gegen den Eid freikommen, niemals mehr die Hand gegen Polen zu
erheben. Also warb Antonius Söldner und kämpfte mit dieser Privatarmee
überall dort, wo der Gegner nicht Polen hieß. Nach einer längeren
Station beim Hof in Prag kehrte Antonius Schlieffen nach Pommern
zurück und starb 1786.
Konkurrenten der Schlieffen war die Familie Adabar. Bereits
1300 verzeichnet eine Kolberger Urkunde einen Udo Adabar. Dann ist
von ihnen lange nichts zu hören, bis Hans Adabar zum Rivalen von
Hans III. Schlief wird. Der Höhepunkt der blutigen Familienfehde
bahnt sich 1525 an, als Vogt Adabar geborgenes Strandgut aus deinem
dänischen Schiff zum Bischof bringen lässt. Die Kolberger kannten
das Strandrecht. Das Wrack des im Dezember 1524 gesunkenen Schiffes
stand ihnen zu. Also ließ Kolberg den Vogt Adabar ergreifen und
verurteilt ihn flugs zu Tode. Der Scharfrichter soll mit einem kunstvollen
Schlag den Kopf des Adabar und gleichzeitig die beiden Finger abgeschlagen
haben, die einst dem Rat der Stadt Kolberg Treue geschworen hatten.
Ein für die Entwicklung der Stadt wichtiger Mann war Medizinalrat
Dr. Herrmann Hirschfeld. Er führte 1882 als erster das Moorbaden
in Kolberg ein. Weitere Verdienste erwarb er sich als Verfechter
einer Kanalisation in Kolberg. In Kolberg wurde 1868 sein Sohn,
der spätere Arzt und Sexualforscher Dr. Magnus Hirschfeld
geboren.
Erwähnt werden muss Pastor Paul Hinz, dem Kolberg die wertvollsten
Stücke des Kirchenschatzes verdankt. Siehe dazu: Dom
nach 1945 (rechte Spalte).
Der Bauhausprofessor und Maler Lyonel Feininger verbrachte
bis zu seiner Flucht vor den Nazis viele Jahre den Sommer im nahegelegen
Treptower Deep und besuchte mehrmals Kolberg. Siehe: Feininger
in Kolberg.
Ohne den letzten der berühmten Kolberger wäre der Ort heute nicht
so, wie er ist. Prälat Józef Słomski hat mit nimmermüdem
Einsatz dafür gesorgt, dass der Dom wiederaufgebaut wurde.
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