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 aktualisiert 21.02.08
 
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Die Speicherinsel

Die Speicherinsel war nicht immer eine Insel. Erst, als im Jahre 1576 ein Kanal, die Neue Mottlau, gegraben wurde, entstand ein vollständig von Wasser umschlossenes Viertel, das nur mit Speichern bebaut war. Durch den Kanal waren die Speicher sicher vor Feuer und weil man am Abend die Tore verschloß, waren die Waren sicher vor Dieben.

Bild vergrößern!Ein Sanierter Bereich der Speicherinsel                

Einst befanden sich auf der Danziger Speicherinsel mehr als 300 Speicher, fast alle in massiver Backstein-Bauweise errichtet. Jeder Speicher hatte seinen Namen und ein besonderes, den Namen versinnbildlichendes Zeichen über dem Eingang. Die Speicher hießen "Bärentaz" oder "Roter Löwe", "Rote Maus" oder "Einhorn". Andere Namen knüpften an Handwerke und Berufe an, wie "Milchmagd", "Melkerin", "Kesselmacher", "Pfarrer" oder "Bootsmann". Schließlich gab es exotisch klingende Namen wie "Türke", "3 Zitronen" und "Ungar". Der größte und imposanteste Speicher wurde "Kamel" genannt.

Speicherinsel
Speicherinsel                Bild vergrößern!

Viele der Speicher wurden im 2. Weltkrieg ein Opfer russischer Angriffe, nur ein einziger blieb bis in die heutige Zeit erhalten

Mit dem Wiederaufbau der Speicherinsel und der Reurbanisierung dieses lange Zeit für Danzig existentiellen Viertels hat man sich lange Zeit gelassen. Inzwischen macht sich aber auch hier städtebaulicher Gestaltungswille bemerkbar. Eine Reihe von Häusern und Speichern ist bereits restauriert.

 

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 Warum Namen für Speicher?
 

In einer Reisebeschreibung vom Danziger Hafen aus dem 19. Jahrhundert heißt es: "Jeder Speicher hat sein symbolisches Abzeichen, theils nach Tieren und Pflanzen, theils nach Heiligen. Denn da hier ein Speicher dem anderen so überaus ähnlich sieht, so hilft diese Symbolik für die Leichtigkeit des Verkehrs sehr viel. Der Fremde so wie derjenige, welcher nicht lesen kann, wird durch das Emblem orientiert."

In Hafenstädten wie Danzig sprachen die Menschen viele Sprachen. Es wurde deutsch, polnsich, englsich, holländisch, dänisch gesprochen, man hörte baltische, russische unf finnische Worte.

"Gesprochen sicher - aber hat dabei jeder den anderen auch verstanden? Wie fand ein litauischer Flößer einen Laden für Kautabak oder ein des Lesens unkundiger Kahnschiffer, der mit Getreide weicheselabwärts gesegelt war, den ihm zugedachten Kornspeicher "Einhorn"? Wie fand und woran erkannte ein aus den livischen Dünendörfern stammender Matrose das für ihn zuständige kaiserlich-russische Konsulat. Wonach vermochte ein kaschubischer Fischer im Danziger Hafenviertel das Haus des Kaufmanns Schopenhauer anzusteuern?"

Die Antwort gibt sich der Autor dieser interessanten Schrift selbst. Großen Raum nahm an der Ostsee die Verwendung von Bildzeichen ein:

"In Straßenreihen gleichförmig nebeneinander stehende Kaufmannshäuser, Reihen von Schenken sowie viele Dutzende von gleichförmigen Kornspeichern mußten notwendigerweise mit Namen versehen werden - und darüber hinaus mit Sinnbildern, die Ausdrucksmittel einer dem Hafenviertel eigenen internationalen Zeichensprache waren."

Zitate aus: Wolfgang Rudolph, Am Wallfisch-Speicher, unterm Tabakmohren und im Goldenen Anker, Rostock 1983, S. 5ff