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In einer Reisebeschreibung vom Danziger Hafen
aus dem 19. Jahrhundert heißt es: "Jeder Speicher hat sein
symbolisches Abzeichen, theils nach Tieren und Pflanzen, theils
nach Heiligen. Denn da hier ein Speicher dem anderen so überaus
ähnlich sieht, so hilft diese Symbolik für die Leichtigkeit des
Verkehrs sehr viel. Der Fremde so wie derjenige, welcher nicht lesen
kann, wird durch das Emblem orientiert."
In Hafenstädten wie Danzig sprachen die Menschen viele
Sprachen. Es wurde deutsch, polnsich, englsich, holländisch, dänisch
gesprochen, man hörte baltische, russische unf finnische Worte.
"Gesprochen sicher - aber hat dabei jeder den
anderen auch verstanden? Wie fand ein litauischer Flößer einen Laden
für Kautabak oder ein des Lesens unkundiger Kahnschiffer, der mit
Getreide weicheselabwärts gesegelt war, den ihm zugedachten Kornspeicher
"Einhorn"? Wie fand und woran erkannte ein aus den livischen
Dünendörfern stammender Matrose das für ihn zuständige kaiserlich-russische
Konsulat. Wonach vermochte ein kaschubischer Fischer im Danziger
Hafenviertel das Haus des Kaufmanns Schopenhauer anzusteuern?"
Die Antwort gibt sich der Autor dieser interessanten
Schrift selbst. Großen Raum nahm an der Ostsee die Verwendung
von Bildzeichen ein:
"In Straßenreihen gleichförmig nebeneinander stehende
Kaufmannshäuser, Reihen von Schenken sowie viele Dutzende von gleichförmigen
Kornspeichern mußten notwendigerweise mit Namen versehen werden
- und darüber hinaus mit Sinnbildern, die Ausdrucksmittel einer
dem Hafenviertel eigenen internationalen Zeichensprache waren."
Zitate aus: Wolfgang Rudolph, Am Wallfisch-Speicher,
untzerm Tabakmohren und im Goldenen Anker, Rostock 1983, S. 5ff
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