Die Neue Synagoge in Danzig / Gdansk
Von dieser ehemaligen Danziger Sehenswürdigkeit ist
seit dem Jahr 1939 nichts mehr zu sehen. Schon sechs Jahre,
bevor sowjetische Brandbomben die Stadt in Schutt und Asche gelegt
hatten, war die Danziger Neue Synagoge bis auf den letzten Ziegel
abgerissen.
Die Synagoge wurde im Jahre 1883 mit einem großen
Festakt eingeweiht. Der mit neo-isla- mischen Stilelementen versehene
Bau verwendete den nord- deutschen Backstein, die nordische Variante
des orientalischen Synagogenbaustils, die das gewachsene Selbstbewußtsein
der kurz zuvor zu voller Gleich- berechtigung erlangten jüdischen
Mittelschicht ausdrücken sollte.
Jahrhundertelang waren Juden in Danzig nicht erwünscht.
Eine Ansiedlung von Juden wurde nicht geduldet. Lediglich während
des Dominikanermarktes
durften Juden für kurze Zeit die Stadt betreten und Handel treiben.
Aber auch das ließ sich Danzig teuer bezahlen. So setzte eine Verordnung
von 1752 fest, dass für einen Einmonatsaufenthalt eines jüdischen
Kaufmanns eine 12-Gulden-Taxe zu entrichten war. Ließ sich der Kaufmann
von einem Bediensteten begleiten, waren weitere 4 Gulden fällig.
Als Danzig Ende des 18. Jahrhunderts unter preußische
Herrschaft kam, konnten jüdische Familien preußische Untertanen
werden. Während des ganzen 19. Jahrhunderts lag die Zahl der jüdischen
Einwohner von Danzig zwischen zwei und dreitausend. Erst als in
den den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Stadt unter dem
Schutz des Völkerbundes stand, wurde Danzig zum Ziel vieler jüdischer
Einwanderer aus Osteuropa. Mehr als 60 000 Juden konnten zwischen
1920 und 1925 über Danzig auswandern.
Nach dem Sieg der Nationalsozialisten bei den Wahlen
im Mai 1933 blieben den Danziger Juden nur noch wenige Jahre. Als
der Druck auf die Juden immer größer wurde, wanderten viele Gemeindemitglieder
nach Polen, nach Palästina sowie in verschiedene weitere Länder
aus. Der Exodus der Juden dauerte bis Oktober 1941, danach verboten
die Nazis jegliche Auswanderung. Schon im Februar des Jahres 1941
hatte es die ersten Massendeportationen in polnische Gettos und
nach Theriesienstadt gegeben.
In diesem Zusammenhang:
Lesser Gieldzinski - Danziger
Kunstsammler und Mäzen
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