Das Schildkrötenhaus in Danzig / Gdansk
Seinen Namen erhielt das Schildkrötenhaus wegen der
markanten Figur auf der Giebelspitze des Gebäudes - es ist mit einer
eisernen Schildkröte versehen.
Im 18. Jahrhundert war das Schildkrötenhaus im Besitz
der Familie Trosenier. Christian Heinrich Trosenier war Kaufmann,
Senator und Kirchenvorstandsmitglied in der Gemeinde der St. Johanniskirche.
"In seiner Jugend hatte er mehrere Jahre in Frankreich gelebt,
viele Reisen nach Petersburg und Moskau unternommen, er sprach fliessend
französisch und russisch, geistig regsam, klug und heiter - ein
Großkaufmann der Freien und Hansestadt Danzig mit republikanischer
Gesinnung" (zitiert nach: Nadolny, Elly, Johanna Schopenhauer,
Schriftenreihe des Kulturwerks Danzig, o.J., o.S.). Im Jahre 1789
legte er alle seine Ämter nieder und zog als Pächter des Gutes Stutthof
aufs Land.
Als Christian Heinrich Trosenier Danzig verließ, war
seine Tochter Johanna
Schopenhauer, geborene Trosenier, bereits 23 Jahre alt, verheiratet
und mit ihrem Mann in das Haus Heiligeistgasse 114 gezogen. Dieses
Haus wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.
In ihren Memoiren, die Johanna Schopenhauer
viele Jahre später veröffentlichen wird, betont sie, dass die Stadt
Danzig, in der sie geboren und erzogen wurde, einen großen Einfluss
auf die Entwicklung ihres Wesens und ihre Geisteshaltung hatte.
"Bei mir aber tritt noch überdem der beinah unglaubliche Fall
ein, dass beides, ja, ich möchte sagen, der Gang, den das Leben
später mit mir genommen, von dem unbedeutenden Umstande abhing,
dass das Haus meiner Eltern gerade an der Stelle und keiner anderen
stand ...". Das Schildkrötenhaus hatte einen breiten Beischlag
zur Straße hin und auf dem Giebel eine Schildkrötenfigur. "Es
war eine metallne Schildkröte, die mit nach allen Weltgegenden ausgestreckten,
stark vergoldeten Pfoten und Kopf beträchtlich nickte und zappelte,
wenn der Wind heftig wehte ..."
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