Romeo und Julia in Danzig
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Moritz Ferber als Bischof im
hohen Alterr.
Gemälde von Anton Möller (1590).
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Eine Neuauflage der alten Shakes-peareschen Tragödie
von "Romeo und Julia" fand im Danzig des späten 15. Jahrhunderts
statt. Wie in Florenz waren die Akteure des Dramas in Danzig zwei
zerstrittene Familien und zwei sich liebende, junge Menschen und
wie in Florenz war es ihnen unmöglich, zueinander zu finden. Die
Danziger Julia war Anna Pilemann, Tochter eines wohlhabenden
Kaufmanns. Den Part des Romeo gab Moritz Ferber. Die Familie
Ferber war damals die reichste und wohlhabendste Patrizierfamilie
der aufstrebenden Stadt Danzig. Moritz und Anna hatten sich kennen-
und lieben- gelernt. Also begab sich Moritz´ Vater zur Familie Pilemann,
um für seinen Sohn um die Hand Annas zu bitten. Die Pilemanns aber
sagten entrüstet "Nein!".
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Danziger Braut
Kolorierter Holzstich (1586) |
Aber Moritz gab nicht auf und warb weiter um die Gunst
Anna Pilemanns. In einem Brief, den er Anna über ein Dienstmädchen
heimlich zukommen ließ, erinnerte er Anna an das Heiratsversprechen
und forderte sie ultimativ auf, in die Verlobung einzuwilligen.
Es kam, wie es kommen musste: Der klandestine Brief wurde der Familie
Pilemann bekannt, was die beiden Clans weiter gegeneinander aufbrachte.
Schließlich wurde ein Treffen auf neutralem Boden vereinbart.
Hierbei fielen böse Worte, man beschimpfte sich gegenseitig und
nannte einander Gauner und Spitzbube. Daraufhin erhob die Familie
Pilemann im Rathaus offiziell Anklage gegen Moritz Ferber wegen
Erpressung der Heiratszusage. Da unter den Richtern der Einfluss
der Ferber überwog, lautete das Urteil auf Freispruch, die beiden
jungen Leute seien von gleichem Stand und hätten sich aus freien
Stücken verlobt. Der so gestärkte Moritz Ferber machte nun seine
Ansprüche vor dem geistlichen Gericht geltend. Bei einer Gegenüberstellung
sagte Anna Pilemann jedoch, sie habe Moritz nie die Ehe versprochen.
Die Sache ging zum Vatikan. Der junge Moritz
selbst begab sich nach Rom, um vor dem päpstlichen Gericht für seine
Sache zu kämpfen. Es begann ein langes und teures Prozessieren,
was in Danzig zu heftigen Unruhen führte. Unterdessen heiratete
Anna im Jahre 1502 einen Jüngling aus dem Clan der Pilemanns. Moritz
wurde schließlich Priester und kehrte erst 1512 in seine Heimatstadt
zurück.
Bald darauf wurde Moritz Ferber der Danziger Bischof.
So endete der Kampf der beiden größten Patrizierfamilien, der viele
Jahre die Gemüter der Danziger erhitzte. Anna und Moritz waren die
Auslöser eines Streites, der die Stadt an den Rand des Kriegszustandes
führte. Schließlich scherte es den gewöhnlichen Danziger nicht,
ob es den Ferbers gelang, die Mitgift der Jungfrau Pilemann an sich
zu reißen. Die Worte "reich wie die Ferber" und "stolz wie die Ferber"
wurden jahrhundertelang zu einem Synonym für die Verruchtheit und
Gier nach Reichtum sowie rücksichtslosem Vorgehen gegen Konkurrenten.
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