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 aktualisiert 21.02.08
 
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Romeo und Julia in Danzig

Moritz Ferber
Moritz Ferber als Bischof im hohen Alterr.
Gemälde von Anton Möller (1590).
BIld vergrößern! Moritz Ferber

Eine Neuauflage der alten Shakes-peareschen Tragödie von "Romeo und Julia" fand im Danzig des späten 15. Jahrhunderts statt. Wie in Florenz waren die Akteure des Dramas in Danzig zwei zerstrittene Familien und zwei sich liebende, junge Menschen und wie in Florenz war es ihnen unmöglich, zueinander zu finden. Die Danziger Julia war Anna Pilemann, Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns. Den Part des Romeo gab Moritz Ferber. Die Familie Ferber war damals die reichste und wohlhabendste Patrizierfamilie der aufstrebenden Stadt Danzig. Moritz und Anna hatten sich kennen- und lieben- gelernt. Also begab sich Moritz´ Vater zur Familie Pilemann, um für seinen Sohn um die Hand Annas zu bitten. Die Pilemanns aber sagten entrüstet "Nein!".

Danziger Braut
Kolorierter Holzstich (1586)

Aber Moritz gab nicht auf und warb weiter um die Gunst Anna Pilemanns. In einem Brief, den er Anna über ein Dienstmädchen heimlich zukommen ließ, erinnerte er Anna an das Heiratsversprechen und forderte sie ultimativ auf, in die Verlobung einzuwilligen. Es kam, wie es kommen musste: Der klandestine Brief wurde der Familie Pilemann bekannt, was die beiden Clans weiter gegeneinander aufbrachte.

Schließlich wurde ein Treffen auf neutralem Boden vereinbart. Hierbei fielen böse Worte, man beschimpfte sich gegenseitig und nannte einander Gauner und Spitzbube. Daraufhin erhob die Familie Pilemann im Rathaus offiziell Anklage gegen Moritz Ferber wegen Erpressung der Heiratszusage. Da unter den Richtern der Einfluss der Ferber überwog, lautete das Urteil auf Freispruch, die beiden jungen Leute seien von gleichem Stand und hätten sich aus freien Stücken verlobt. Der so gestärkte Moritz Ferber machte nun seine Ansprüche vor dem geistlichen Gericht geltend. Bei einer Gegenüberstellung sagte Anna Pilemann jedoch, sie habe Moritz nie die Ehe versprochen.

Die Sache ging zum Vatikan. Der junge Moritz selbst begab sich nach Rom, um vor dem päpstlichen Gericht für seine Sache zu kämpfen. Es begann ein langes und teures Prozessieren, was in Danzig zu heftigen Unruhen führte. Unterdessen heiratete Anna im Jahre 1502 einen Jüngling aus dem Clan der Pilemanns. Moritz wurde schließlich Priester und kehrte erst 1512 in seine Heimatstadt zurück.

Bald darauf wurde Moritz Ferber der Danziger Bischof. So endete der Kampf der beiden größten Patrizierfamilien, der viele Jahre die Gemüter der Danziger erhitzte. Anna und Moritz waren die Auslöser eines Streites, der die Stadt an den Rand des Kriegszustandes führte. Schließlich scherte es den gewöhnlichen Danziger nicht, ob es den Ferbers gelang, die Mitgift der Jungfrau Pilemann an sich zu reißen. Die Worte "reich wie die Ferber" und "stolz wie die Ferber" wurden jahrhundertelang zu einem Synonym für die Verruchtheit und Gier nach Reichtum sowie rücksichtslosem Vorgehen gegen Konkurrenten.

 

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 Der "König von Danzig"
 

Der Bruder von Moritz Ferber, Eberhard Ferber, war während der ersten beiden Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts der sogenannte "König von Danzig". Nachdem er zusammen mit dem pommerschen Herzog Bogislaw eine zweijährige Pilgerfahrt ins Heilige Land unternommen hatte, ließ er sich zum Bürgermeister von Danzig wählen. Bekannt wurde er durch seinen Hochmut und seine Prunksucht, bis er 1522 von der Danziger Bürgerschaft seiner Machtstellung enthoben und aus der Stadt vertrieben wurde.

Aber mit dem Sturz Eberhard Ferbers war die dynastische Stellung der Ferber in Danzig keineswegs beendet. Konstantin Ferber, ein Sohn Eberhards, kehrte später nach Danzig zurück und nahm eine ähnlich beherrschende Stellung wie seinerzeit sein Vater ein. Auch er war ein echter Ferber. Mit großem Pomp renovierte er das Ferbersche Haus in der Langgasse und fuhr eine sechsspännige Karosse. Außerhalb der Stadt ließ er sich eine prachtvolle Sommerresidenz errichten, die vom Volk "Konstantinopel" genannt wurde.

 
 Maria Bogucka: Das alte Danzig
 

Die Geschichte des Kampfes zweier Patrizierfamilien ist in die Literatur eingegangen. Bei unserer Nacherzählung haben wir uns im Wesentlichen an die Darstellung von Maria Bogucka in ihrem empfehlenswerten Band "Das alte Danzig" gehalten:

Maria Bogucka
Das alte Danzig
Leipzig 1980