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 aktualisiert 21.02.08
 
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Poguttke (Fritz Jänicke) - Journalist und Original

Fritz Jänicke, geboren 1885, war "Poguttke", ein stadtbekanntes Danziger Original. Ursprünglich hatte Jänicke Architektur studiert, dann aber sein Studium abgebrochen und vom Zeichensaal in die Redaktionszimmer der "Danziger Neuesten Nachrichten" gewechselt. Er wurde als Kulturredakteur schnell in Danzig bekannt und wegen seiner humorvollen Feuilleton-Beiträge geschätzt.

"Poguttke" gezeichnet von Fritz Jänicke

Unter dem Pseudonym "Poguttke", eines "Maurerpoliers a.D.", veröffentlichte Jänicke mehr als drei Jahrzehnte an jedem Sonnabend eine Glosse über die wöchentlichen Stadtereignisse im Danziger Platt in den "Danziger Neuesten Nachrichten". Mal waren es kleine Gedichte, mal kunstvoll zugespitze dramatische Szenen oder humorige Dialoge. Willi Drost schreibt über Poguttke: "Poguttke-Jänicke wurde mit seinen originellen, echt Danziger Redewendungen, unzähligen Anspielungen, dem niederdeutschen, gutmütigen Spott, der den aufgebauschten Welthändeln mißtrauisch abwartend und mit gesunder Nüchternheit gegenübertrat, zu einem lebendigen Inventarstück der alten Stadt selbst." (zitiert aus: Fritz Jänicke, Rentier Poguttke - Stammtischgespräche, Norden o.J., S. 6).

Der Miniaturphilosoph Fritz Jänicke starb im Juli 1945. Sein Grab liegt auf dem Olivaer Friedhof.

 
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 Franz Poguttkes Sang auf Danzig
 

Liebes, olles Danzich, wenn ich weer,
Was ich nich bin, so en Staatspoete,
Säng heechst feierlich ich dir zur Ehr
Hymnen, daß die Heide wackeln teete;
Doch son kleiner Dichtersmann wie ich
(Alle Veejel sind nich Nachtigallen)
Läßt, ob´s nun jefall´n tut oder nich,
Heechst bescheiden bloß sein              Liedchen schallen;
Wie son Danzjer Spatz jahrein, jahraus
Feif auch             Neinzehnhundertsimundzwanzich
Ich dieselbe Weise kiehn hinaus:
"Nuscht, rein nuscht nich jeht mich ieber             Danzich!"

Autor: Fritz Jänicke

 
 Kleiner Danziger Sprachführer
 

Danzich ruft! so jeht de Mahnung
Raus ins Land vom Bernsteinstrand
Dänn meist hat ma keine Ahnung
Nich vom scheenen Danzjer Land!

Daß ma's weithin kricht zu wissen
Durch de "Neisten", scheint mich gut,
Eins bloß tu ich hier vämissen:
Wie der Danzjer reden tut.

Nich bloß mit Natur und Bauten
Lockt de Stadt vom Weichselstrand,
Nei, mit trauten Heimatlauten
Auch wo auswärts unbekannt.

Weil nu dies doch inträßieren
Kennt dem ein' und andern schon,
Mecht bescheiden ich riskieren
Hier 'ne Danzjer Sprachläxion

Hält sich wer fier sprachenkundich
Wunder wie in Deitsch wärsiert,
Wird sein Wortschatz hier erst fundich
Der Volländung zujefiehrt.

Reich und plastisch, kurz und drastisch
Urjemietlich und jesund
Tut sich träffend (nie bombastisch)
Danzjer Art im Volksmund kund.

Kommt en dwatscher Zrohr mal her hier,
Puhst sich auf und macht vleicht                                                 Schmus,
Schon "Moin Gommas, kick, ei er dir!"
Heert er fohrts als Danzjer Gruß.

Ma scheniert und ziert nich groß sich,
Nich am Schild, nich inne Ohr,
Is wo'n Bowke eierbooßich
Bringt er mochumsch so dies vor:

"Leidack! Luntrus! Labs! Lachodder!
Tullas und Labommelkreet!
Woart, äck schmiet di glicks em Modder!
Schaber nich und holle Freet!"

"Unnosljes Schorf, väfeier
Dir! Väzink dir Abselwat!
Mach, daß wäch kemmst, sonst
                                                bescheier
Ich dir vleicht de Karbenad!"

Also teent es laut furioso,
Wänn ein Sohn Jedanias zirnt,
Wo sich mit en Bochert wo so
Wejen ne Marjäll väzwirnt.

Aber sinnich auch und innich
Teent des Einjebornen Laut,
Wänn en Motllauspucker minnich
Traut der Braut im Auge schaut.

Und mit sießer, schmeichelnd leiser
Inbrunst bringt er zart es raus:
"Trautstes Zruchelchen! Mien Schleiser!
Komm jibb en Machandel aus!" -

Wo der Mottlau Wellen rauschen
Weichselwärts am Heekertor,
Kann ma Fillosofen lauschen,
Voll beschaulichem Humor.

Wo (den Pfriem im Munde) ruckweis
Tiefsinn eisern unjehemmt:
"Korkle, spie molmang de Uckleys,
Äck well kecke, ob et schwemmt!" -

Tut der Fremdling weiterjehn,
Wo's nach Eppel riecht und Fisch,
Lärnt er glatt im Handumdrehen
Tausend Worte Danzjerisch!

Wo ma mang de Wottlauwogen
De Pomuchelnätze hängt,
Wird vom fleißjen Filologen
Reichstes Wissensgut jeschänkt.

Danzjer Fischfrau'n! En Kapitel
Fier de Forschung riesengroß!
Was ich hier davon vämittel,
Is en kleines Nippchen bloß:

"Scheene Flinderchens, Madamchen! -
Olle Goy, puhst di nich op! -
Ed'ard, komm doch mal mit's
                                                 Tammchen,
Jibb dem Labs hier oppen Kopp!

Reicheraalkes, wolt' er ruscheln!
Holt da wer dem Schien nich her?
Nich daß nachher die benuscheln
Jehn tust anne Krantorfähr.

Sonst mach sauber ich de Fleck dir!
Duhnaskreet, nimm dir zusamm'!
Nimm de Kiep, ställ inne Äck ihr! -
Scheene Flinderchens, Madam!" -

Staunend heert ma dem enormen
Danzjer Sprachschatz ringsumher,
hat doch solche Ausdrucksformen
Weder Sanskrit, noch Homer!

Tja, der ollen Häldengriechen
Rednerruhm is glatt väwälkt,
Dänn sie mißden sich väkriechen,
Wänn ne Danzjer Fischfrau belkt!

Weitres sei nu man väschwijen,
Dänn sonst weer de Spannung gonn,
Sälbst muß ma's zu heeren kriejen,
Dänn sonst hat ma nuscht nich von.

Also, wänn ihr klug und weise,
Glaubt mir: keinem nich tut's leid:
Jeht's von wejen Sommerreise,
Danzich ruft! Ihr wißt Bescheid!

Vieler Sorjen wird ma ledich,
Tut als froher Gast ma ziehn
Fohrts nachs Nordische Venedich,
Wo der Reicherflundern bliehn!

Mach noch so wild ihm rings umtoben
Der Gassenstreit im Spuck der Zeit,
Ihm scheint jen hälles Turmlicht oben
Wie Leuchtturmglanz aus Ewigkeit!

Er fiehlt im Härz, im sorjenmieden,
Nei Glaubensmut und Hoffnungstrost:
Der Sturmfahrt folcht der Hafenfrieden!
Kopp hoch! Es wird all werden! Prost!

 

Das Gedicht von Fritz Jänicke erschien zuerst im Jahre 1936.