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 aktualisiert 21.02.08
 
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Luise Adelgunde Victoria Gottsched- die Gottschedin

Luise Adelgunde Victoria Gottsched geb. Kulmus kam am 11.4.1713 als Tochter eines Danziger Arztes auf die Welt. Sie erhielt schon früh Unterricht von gebildeten Lehrern und sprach bereits im Alter von fünfzehn Jahren Englisch und Französisch. Außer der üblichen geistlichen Unterweisung erhielt sie privaten Unterricht in Geographie, Geschichte, Zeichnen und in der Poesie. Im Alter von sechzehn Jahren lernte sie den Leipziger Professor für Weltweisheit Johann Christoph Gottsched kennen und trat in einen intensiven Briefwechsel mit ihm ein. 1735 heiratete sie Gottsched, zog zu ihm nach Leipzig und wurde fortan Gottschedin genannt.

Gottschedin
Chodowiecki, Stich von F. Arnold
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Es wird vermutet, dass die Gottschedin einen großen Anteil am Lebenswerk ihres Gatten hat. Als Übersetzerin aus dem Französischen und dem Englischen steuerte sie die Masse der Übertragungen sowohl dichterischer als auch theoretiscxher Texte bei, die in den Publikationen des Professor Gottsched abgedruckt wurden.

 

 
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 Auszug aus "Pietisterey"
 

"Die Pietisterey im Fischbeinrocke" von Luise Kulmus
Vierter Auftritt

Auftretende Personen: Frau Glaubeleichthin, Frau Zankenheimin, Herr Magister Scheinfromm, Frau Seufftzerin, Frau Ehrlichen

Frau Ehrlichen
Ha! Ha! Herr Magister! fing eck em hier? He es en schöner Herr! Eck bedanck my vor den schönen Onderrecht, den he myner Dochter gegewen hefft.

Herr Scheinfromm
Was wollt ihr denn von mir haben?

Frau Ehrlichen
I! du Schelm! Wat eck von dy hebben wöll? Eck frag dy, wat du von myner Dochter hebben wöllst? du verfloockter Hund!

Herr Scheinfromm
Meine liebe Frau, was redet ihr? Habe ich eure Tochter nicht gut und gründlich unterrichtet?

Frau Ehrlichen
Gründlich? Ja freylich! mehr, als´t my löv es! du Schelm! Eck scheck dy myn Kind, dat du´t en der Gottseligkeit onderrechten sollst, on nich en der Gottlosigkeit! Wat Düwel wöllstu von dem Mecken hebben? Wöllstu Hooren hebben, so seek dy welcke: Op der Lestadie loopen genoog herümmer, aber vertobb my nich myn Kind.

Herr Scheinfromm
Was redet ihr doch? Eure Tochter lüget euch solche Dinge vor. Vielleicht verdreußt es sie, daß ich mich ihrer Seligkeit so eiffrig angenommen habe, und ihr manchmal scharf zugeredet.

Frau Ehrlichen
Ja! du böst der rechte Keerel tor Seligkeit, du sullst myne Dochter wohl föhren en den Himmel, wo de Engel met Külen dantzen. (Zur Frau Glaubeleichthin:) Wat meent se wohl Frau Nabern! Eck schak em myne Dochter en´t Huuß, dat he se sall en der Reelgon enfermeeren, denn eck wöll se op Ostern tom heilgen Avendmaal nehmen. On de verflookte Keerrl en dem Meeken allerly gottloß Tüg anmoden. Eck seh! se siht ut! se grient, eck frag er: Endlich kümmt herrut, wat Herr Scheinfromm vor een schöner Herr es. Da sall em de Düvel der veer halen. Eck wöll´m vor´t Constorien kriegen, da sall he my en een Loch kruupe, vor em nich Sonn nich Maand beschienen sall.

Frau Glaubeleichthin
Ach liebe Frau Nachbarin! bedenckt doch, was ihr redet. herr Scheinfromm ist ein heiliger Mann.

Herr Scheinfromm
Mein Goot! du schickst mir diese Versuchung zu. Ich dancke dir auch dafür!

Frau Seufftzerin
Sehr doch! wie gedultig der fromme mann bey seinem Leiden ist. Ach! ihr seyd eine böse Frau.

Frau Zanckenheimerin
Packt euch fort, ehe wir euch die Treppe hinunter werffen lassen. Wer weißt was eure Tochter vor ein Thiergen ist, und mit wem sire sich so gemein gemacht hat. Jetzo will sie es auf diesen heiligen Mann schieben.

Frau Ehrlichen
Ja! klook kosen, nuscht dohn! Wat Düvel sy jy denn vor Rackertüg? Eck glow, jy sennt von dat pietistische Wievervolck, de seck en de Reelgon mengen. Aber jy verstahn so vell darvon, als de Koh vom nygen Door. Hör jy dat? Domme Düvels sy jy! Dat segg eck ju! Eck sy so klook, als jy: Aver eck gloow, de Wiewer, de seck in solche Sachen mengen, de eenen nuscht angahn, onn de se nich verstahn, datz send Kalwes-Köppe! On dat sy jy okk!

Herr Scheinfromm
Ach meine Faru! geht doch, und laßt uns zufrieden.

Frau Ehrlichen
Wat? Eck war ju nich to freeden laten, stracks kaamt met my vor´t Constorien.

Herr Scheinfromm
Was wollt ihr denn von mir haben? Gott kennt meine Unschuld, und eurer Tochter Boßheit.

Frau Ehrlichen
Ja! frylich weet Gott, dat du en Schelm best! Kaamt met my! eck segg´t ju, oder eck kratz ju de Oogen ut! (Sie zieht ihn beym Ermel. Er entflieht:) Ah, ha! Loop du man! eck war dy wohl enhalen. (Sie geht ab.)


Den gesamten Text des Lustspiels der Gottschedin finden Sie hier:
http://gutenberg.spiegel.de/
gottschl/pietist/pietist.htm