1945: Ruinenstadt Danzig und Wiederaufbau
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war etwa 95 Prozent
des alten Danziger Innenstadtkerns zerstört. Das Makabre
daran: zwei Wochen vorher war die städtebauliche Substanz von
Danzig noch weitgehend vorhanden gewesen, aber die deutsche Weisung
von höchster Stelle, Danzig "bis zur Vernichtung zu verteidigen",
führte zu einem Endkampf, dem kaum ein Haus widerstand. Mehr
als 6000 Gebäude waren ausradiert. Von vielen Kulturdenkmälern
war nur noch ein Steinhaufen geblieben, viele Kunstwerke unwiederbringlich
vernichtet. Von den 400 000 Einwohnern der Stadt hatten mehr als
80 000 den Tod gefunden, mehr als 300 000 mussten ihre Heimat verlassen.
Ende des Jahres 1945 waren 70 000 Polen, selbst häufig
aus ihrer Heimat vertrieben, in Danzig eingetroffen. Unter ihnen
herrschte Uneinigkeit darüber, was mit dem Ruinenfeld der Danziger
Innenstadt zu tun sei. Mancher plädierte dafür, die in den Himmel
ragenden Mauerstümpfe als Mahnmal gegen den Krieg zu bewahren,
und ein neues Danzig an einer dem Hafen näheren Stelle aufzubauen.
Andere plädierten für einen Aufbau an historischer Stelle in neuem
Gewand. Dennoch setzte setzte sich schließlich die Auffassung durch,
dass auf viele historische Bauten nicht zu verzichten sei.
Die ersten provisorischen Baumaßnahmen wurden
schon 1948/49 durchgeführt, aber es dauerte noch lange, bis
man Klarheit hatte, was wiederaufzubauen war und worauf man schweren
Herzens verzichten konnte. Hinzu kam, dass der polnische Staat angesichts
wirtschaftlicher Schwierigkeiten anfangs nur schwer in der Lage
war, Ressoucen für Restaurateure freizustellen.
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