Der Radaunekanal in der Altstadt
Der Radaunekanal ist schon fast siebenhundert Jahre
alt; er wurde 1338 während der Herrschaft des Deutschen Ordens
gegraben und kann als das größte Geschenk des Ordens an die Danziger
gesehen werden, denn er brachte für die Danziger Altstadt einen
mächtigen Entwicklungsschub. Allerdings: Vollkommen uneigennützig
war der Bau des Radaunekanals nicht. Er ging zum Schloss des Deutschen
Ordens an der Mündung des Kanals in die Mottlau und speiste einen
dreifachen Ring von Wassergraben, um das Schloss zu schützen.
Der 13 Kilometer lange Kanal führte das Wasser des
Flüsschens Radaune / Radunia nach Danzig und versorgte die Städter
mit Wasser und - was noch wichtiger war - mit Energie für Mühlen,
Schleifereien, Schmieden und Sägewerke. In einer Chronik des 16.
Jahrhunderts schreibt der Italiener Alessandro Gwagnin: "Der
Fluß Radaune läuft dank menschlicher Erfindungsgabe in einem gemauerten
Gewölbe zu einer ausgezeichneten Mühle. Ihrem Wasser wird zugeschrieben,
daß in Danzig ein so gutes Schwarzbier gemacht wird." (zitiert
nach: Jerzy Samp, Danzig von A bis Z, Bremen 1997, S. 216f). Mit
der "ausgezeichneten Mühle meinte Gwagnin den mächtigen Bau
der Großen Mühle, der schon
12 Jahre nach dem Bau des Radaunekanals errichtet wird.
Aber nicht nur Mühlen zogen großen Nutzen aus dem Kanal.
Die schon erwähnten Bierbrauereien siedelten ebenso am Radaunekanal
wir Tuchfärbereien.
In einer Kanalordnung fasste der Rat der Altstadt
die Rechte und vor allen Dingen die Pflichten zusammen, die die
Nutzer des Kanals zu erfüllen hatten. Auch Fische und Krebse im
Kanal durften nicht von jedermann gefangen werden, sondern die Stadt
vergab gegen eine Gebühr besondere Lizenzen.
|